Hallo, Humanoid.

Henrik Spohler/laif
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Henrik Spohler/laif
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Editorial
Sie turnen auf YouTube, laufen durch Forschungslabore und beeindrucken auf Technikmessen: Humanoide Roboter sind noch weit von unserem Alltag entfernt, doch ihre Entwicklung schreitet voran. Der Traum vom künstlichen Menschen ist dabei so alt wie die moderne Industrie.

Nach der mechanischen und elektrischen Revolution der Industrie wurden 1920 in dem Theaterstück »R.U.R.« von Karel Čapek maschinenähnliche künstliche Arbeiter in Tanks gezüchtet und »Roboter« getauft. Die Geburt der Kunstwesen spiegelt die ersehnte Befreiung von Frondiensten – entsprechend dem tschechischen Wort robota – oder der Industriearbeit wider. Etwas später liegt in Fritz Langs »Metropolis« die Erlösung  gleich der gesamten geknechteten Arbeiterklasse in der Schöpfung eines Maschinenwesens.

Mit neueren virtuellen Mischwesen sind wir seit R2D2 in »Star Wars«, den Transformern oder den Avataren gut vertraut, aber immer häufiger begegnen wir realen Humanoiden Robotern. Auf YouTube schlagen sie synchron Purzelbäume oder treffen mit unfehlbarer Sicherheit den Basketball-Korb und manchmal kommen sie an den Tisch im Café, um leere  Tassen einzusammeln.

Hat die Menschheit keine bessere Idee, als bei der anhaltenden Bevölkerungsexplosion auf demnächst 8 Milliarden Menschen die Spezies technisch zu klonen? An der Schwelle zum KI-Zeitalter ist der Traum von einer motorischen und kognitiven Replik des Menschen mit Gefühlen und Bewusstsein für Wissenschaftler*innen und Ingenieur:innen zu einer unwiderstehlichen Motivation geworden. Mit der Entwicklung neuester Humanoider Roboter zeigt sich auch die Hybris der Menschen, wenn sie gottgleich eine Kreatur als Ebenbild erschaffen.

Die typologische Serie von 18 Fotografien soll das Wesen der technischen Kreaturen spürbar machen und Fragen danach stellen, welche Vorstellungen Menschen für ihr künstliches Abbild haben.

Die Serie »Hallo, Humanoid.« ist Teil der Arbeit »Tomorrow is the Question«.

Roboter aus Metall mit elektrischen Komponenten und Kabeln, humanoide Form, technologisches Design, Einsatz in Forschung und Innovation.
Ehemaliger Roboterarm mit mechanischen Komponenten und Kabel, overview.
Hochentwickelter humanoider Roboter mit blauer Gestaltung und vielseitigen Bewegungsarmen.
Futuristischer humanoider Roboter mit schwarzem Helm und schwarzer Kleidung.
Fortschrittlicher humanoider Roboter mit schwarzem und weißem Design, perfekt für Forschung und Innovation.
Helle Porträtaufnahme eines Mannes mit Brille und freundlichem Lächeln.
Henrik Spohler

»Ich glaube, dass unsere Spezies häufig dazu neigt, sich selbst zu überschätzen und anzunehmen, dass mit Technologie alles möglich ist – sogar die technische Reproduktion des Menschen. Diese Hybris wird in der Serie von 18 Humanoiden deutlich sichtbar. Auf der einen Seite gibt es Fortschritte in Form von mechanischen Kreaturen, auf der anderen Seite wächst die Skepsis: Wer möchte mit diesen Geräten leben oder arbeiten?

Bei der Recherche für dieses Projekt habe ich darauf geachtet, Humanoiden mit unterschiedlichen physiognomischen Merkmalen darzustellen. Die ausgewählten Roboter repräsentieren die verschiedenen Entwicklungsstadien der letzten 15 Jahre – von klar mechanischen Automaten bis hin zu Systemen, die den menschlichen Modellen immer ähnlicher werden. Dieser zeitliche Bogen zeigt nicht nur den technischen Fortschritt, sondern auch die zunehmende Annäherung an das menschliche Bild, was einerseits faszinierend, andererseits aber auch beunruhigend wirkt.«

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