Jede Begegnung bringt Überraschungen mit sich – das ist ein fester Bestandteil meiner Arbeit. Ich bereite meine Shootings sorgfältig vor und schaffe einen Rahmen für den Ablauf, der aber offen genug bleibt für spontane Wendungen.
Ein eindrückliches Erlebnis, das etwas aus der Reihe fällt, hatte ich im Herbst 2022 im Bundeswirtschaftsministerium. Nach der russischen Vollinvasion in der Ukraine war die Sorge um die Sicherheit der Energieversorgung in Deutschland groß, das Haus und der Minister standen massiv unter Druck. Es war gar kein angesetzter Porträtjob, meine Aufgabe war es, die angespannte Stimmung im Ministerium zu erspüren und fotografisch zu illustrieren.
Dann bekam ich die Info, dass der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck zwischen zwei Terminen spontan kurz in seinem Büro vorbeikommen würde. Ich traf ihn im Flur des Ministeriums. Er rief mir zu, er müsse nur kurz etwas unterschreiben und habe nicht mal Zeit, in die Kamera zu schauen, aber ich könne kurz mitkommen. Ich hatte nur wenige Sekunden, um einen Blitz aufzustellen die Szene im Büro einzufangen, bevor er wieder weg war – genauer gesagt weniger als 30 Sekunden, wie ich später aus den Metadaten ablesen konnte. Obwohl das Treffen gar nicht vorab vereinbart war, entstand so letztlich ein passendes Bild dieser Wochen.