Meine Generation ist die letzte, die zumindest in ihren Kindheitserinnerungen eine Welt ohne Computern kennt. Seit Anfang der 10er Jahre versuche ich die Effekte von Digitalisierung zu verstehen.
In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit der Wirkung virtueller Räume und den Folgen auf unsere Wahrnehmung. Die Analyse von Bildern spielt dabei eine wichtige Rolle. Ein Beispiel um dies zu verdeutlichen: Schon als Fotografie zum Massenmedium wurde, haben die Menschen ihre Rituale fotografiert. Hochzeiten, Familienfeiern, Urlaub. Fotografie um das Leben „festzuhalten“, um sich an wichtige Momente im Leben zu erinnern.
Durch die Möglichkeit grenzenloser Verbreitung erfüllen die gleichen Motive heute einen neuen Zweck. Wir fühlen uns verbunden. Während man sich am 24.12. morgens noch durch bunte Weihnachtsbäume und intime Wohnbereiche scrollt, hat der „Follower“ am Abend bereits Geflügel, Kartoffelsalat und Sektflöten an reich gedeckten Tischen vor Augen. Wir verbringen immer mehr Zeit in einer zweidimensionalen Bildlandschaft. Fotos werden zu Schnittstellen zwischen On -und Offline Welt.
Diese virtuelle Realität entlässt uns nicht mehr. Neben dem Gefühl von Zugehörigkeit, Liebe und Frieden können Bilder auch das Gegenteil verstärken. Ausgrenzung, Angst, Wut und Hass. Gewaltbilder werden „produziert“, über das Netz verbreitet und als Propaganda in Echtzeit eingesetzt. Im Extremfall gehören dazu Terrorakte genauso wie die Zuspitzung politischer Ereignisse, radikaler Aktionen oder die Vereinfachung komplexer Sachverhalte. Bilder emotionalisieren und manipulieren.