Neu: Sammy Hart

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Wir freuen uns, Sammy Hart als neuen laif-Fotografen vorstellen zu können. Er ist Porträtfotograf mit Sitz in Berlin und blickt auf eine 20-jährige Karriere zurück. In den letzten Jahren entstanden Arbeiten für Magazine, Bücher, Musiklabels und Werbeagenturen mit weltweiten Kampagnen.

Mehr über unseren neuen laif-Fotografen erfahrt ihr ab Dienstag, den 21. Mai 2024 auch auf Instagram. Er wird den laif-Account einige Tage übernehmen und über seine Arbeit berichten.

 

laif auf Instagram

 

Katja Kemnitz ein Interview mit ihm geführt:

Portrait
Eine Frau streicht über den Kopf eines Mannes
 

Sammy, Dein Schwerpunkt liegt auf Porträts. Welche Faktoren führen zu einem guten Porträt?

Natürlich gibt es verschiedene Anforderungen und Aufgaben. Wenn es um meine Künstlerporträts geht, beginnt es oft mit Recherche oder einem Gespräch im Vorfeld. Je nachdem, ob die Bilder im Studio oder vor Ort entstehen, baue ich mir entweder Hintergründe oder versuche zu erfahren, an welchem Ort es eventuell persönliche Bezüge zu den Protagonist:innen geben könnte.

In jedem Fall versuche ich bereits von Beginn an, einen Prozess in Gang zu setzen. Ich gehe eigentlich nie von einem gewünschten Ergebnis bei meinen Fotosessions aus, sondern lasse mich auf das ein, was sich aus all dem entwickelt. Bilder sind am Ende der Kette das Ergebnis davon. Da bin ich von der Haltung nicht so weit weg von Reportagefotograf:innen. Ich denke, man muss für diese Art der Arbeit rezeptiv sein und sich in gewisser Weise zur Disposition stellen – Beobachter sein, ohne sich zu verstecken.

 

Wo wir gerade bei Künstlerporträts sind: Gerade Schauspieler:innen können ja eine Rolle und Pose einnehmen. Ist es deshalb leichter, sie zu porträtieren oder vielleicht sogar herausfordernder?

Ich muss mit Schauspieler:innen anders arbeiten, wobei ich auf komplizierte Charaktere spezialisiert bin. Sie sind es zwar gewohnt, vor der Kamera zu stehen, allerdings in einem völlig anderen Kontext. Sie haben Text und Drehbuch und müssen in ihrer Rolle atmen können, Bewegung ist beim Dreh meist ein wichtiger Bestandteil.

Alles Statische kann da hinderlich sein. In meinen Sessions ist Bewegung sehr wichtig und meine eigene Schnelligkeit mit der Technik. Ich möchte in die Zwischenräume der Bewegungen gelangen. Nur da ist es authentisch. Am Ende freue ich mich über Bilder, die nicht perfekt, aber ehrlich sind.

Zwei Frauen kuscheln
Mann auf einer Treppe
Mann im Mantel auf einem Bett sitzend
 

Es klingt, als würde ein gutes Porträt viel Zeit beanspruchen. Wie überzeugst du die Menschen, sich diese auch zu nehmen?

Tatsächlich ist es das Traurige, dass wir für bestimmte Auftragsarbeiten immer weniger Zeit bekommen. Vor zehn Jahren sagte ich mal eine angefragte Session mit Sofia Coppola ab, weil man uns nur 5 Minuten dafür einräumen wollte. Heute, zehn Jahre später, würde ich so ein Angebot mit Respekt und Kusshand annehmen. Ein anderes Mal haben wir einen Termin von zwei Stunden inklusive Hair, Make-up und Styling mit der großartigen Julie Delpy mit drei unterschiedlichen Studioaufbauten organisiert, um schnell arbeiten zu können. Damit das bezahlbar bleibt, schmeißt man alles rein, was an Equipment im Studio so rumliegt und verschenkt noch einen Arbeitstag an die Redaktion für den Aufbau. Anders ist das nicht zu machen.

Die Zeiten haben sich zeitlich so sehr verdichtet. Das kann man mögen oder nicht. Ich mag das definitiv nicht, aber andererseits muss man aus dem Machbaren das Beste herausholen. Das widerspricht leider oft meinem eigenen Anspruch. Ich meine zu sehen, dass der Qualitätsverlust zu erkennen ist.

Wirkliche Innovationen allerdings – das muss ich ehrlich zugeben – finden heutzutage in der Reduktion statt. Einfach weil es die Produktionsbudgets nicht mehr gibt, werden die jungen Fotograf:innen erstaunlich erfinderisch. Ich sehe sehr viel Schönes heutzutage, das mit geringen Mitteln entsteht. Davon kann ich selbst nur lernen.

Dann gibt es aber auch Sessions, bei denen ich mir die Zeit nehme. Ich frage dann Künstler:innen an und produziere selbst. Aber da zahle ich mittlerweile am Ende drauf. Seltene Ausnahmen bestätigen die Regel. Da muss ich wirklich mal die Frage an die Redaktionen stellen, ob sie Innovation und Selbständigkeit überhaupt noch fördern wollen, ob es ihnen egal ist und/oder der eigene Überlebenskampf wichtiger ist. Das ist der Elefant im Raum, über den kaum geredet wird.

Wir, die Selbstständigen, sind dazu übergegangen, die schlechter werdende Ausstattung mit Eigeninitiative zu kompensieren, manchmal überschreiten wir die Grenze zur Selbstausbeutung.

 

Du bist seit über 20 Jahren im Berufsleben. Wie kam der Entschluss, nach all den Jahren eine Agentur zu suchen?

Ich habe meine Zusammenarbeit mit einer Bildagentur vor einiger Zeit auslaufen lassen. Ich hatte das Gefühl, den ausufernden Preisverfall mit jedem einzelnen Bild, das ich beigesteuert habe, weiter zu befördern. Heute erfährt man ganz nebenbei, dass die Künstliche Intelligenz mit den Bildern der größten Bildagenturen trainiert wurde. Jetzt wird mühsam und lückenhaft auf der höchsten Ebene dagegen auf Ausgleich geklagt. Erwartbar unwahrscheinlich, dass es zu fairen Verhältnissen führt. Konnte ich das so vorhersehen? Nein. Gab es bereits Anzeichen für einen Niedergang durch eine Bilderschwemme? Ja.

Eine Frage blieb: Wie verhält man sich als einzelner Fotograf, ohne seine eigene Existenz ad absurdum zu führen? Man muss sich mit anderen zusammenschließen. Das ist gar nicht so einfach, weil wir zum Einzelgängertum neigen. Ich hatte bereits einige Jahre den Newsletter von laif bekommen und dort einen guten Geist gespürt.

 

In Anbetracht der Herausforderungen und der sich verändernden Landschaft der Fotografieindustrie, wie siehst du die Zukunft der Porträtfotografie und welche Rolle spielen Agenturen dabei?

In einem bin ich mir sicher: Die Porträtfotografie wird immer relevant bleiben, genauso wie die Reportagefotografie. Das sind Themen, die KI nicht ersetzen kann. Allerdings muss sie auch monetär attraktiv bleiben und denjenigen, die sie betreiben, ein angemessenes Einkommen ermöglichen.  Agenturen und auch der Zusammenschluss der Fotograf:innen in Vereinigungen wird eine größere Bedeutung bekommen. Ich denke, gemeinsam wird es einfacher sein, gerechte Honorierungen durchzusetzen.

 

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