Neben seinen Auftragsarbeiten widmet er sich in freien Projekten gesellschaftlich relevanten Themen wie der ostdeutschen Identität, den Folgen des Klimawandels und dem erstarkenden Rechtsruck.
Neben seinen Auftragsarbeiten widmet er sich in freien Projekten gesellschaftlich relevanten Themen wie der ostdeutschen Identität, den Folgen des Klimawandels und dem erstarkenden Rechtsruck.
1989, als die friedliche Revolution stattfand, war ich 6 Jahre alt. Als die 90er vorbei waren, war ich 16 Jahre. Damals war alles wichtiger als das politische System. Heute sehe ich vor allem, was es für die Generation meiner Eltern bedeutet, wenn sich mitten im Leben das politische System und damit auch gesellschaftliche Werte komplett ändern und man sich in Teilen oder ganz neu definieren muss. Für manche war das eine Befreiung, für andere ein Zusammenbruch. Bei mir hat sich daraus vor allem ein Interesse entwickelt, die Entwicklung des Ostens dokumentarisch zu begleiten und damit ein Stück weit die Erzählung über diesen Teil des Landes mitzugestalten.
In der Serie geht es mir um die sehr grundlegenden Veränderungen in den großen Braunkohle Tagebauregionen. Angefangen hat es mit der Frage, nach welchen Kriterien entschieden wird, was in den zerstörten Landschaften neu aufgebaut wird. Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit haben da Priorität, aber auch die Geschichte der Regionen und die Wünsche der Menschen, die dort Leben, spielen eine Rolle in dem Prozess. Viele Leute dort leben mit dem Widerspruch, dass die Kohle ihnen einerseits Arbeit und Sicherheit gegeben hat und ihnen gleichzeitig ganze Landstriche genommen wurden. Mich interessiert, wie sie zum Ende der Braunkohle-Ära mit diesem Gefühl umgehen und wie sie sich die Zukunft ihrer Region wünschen.
Beim Thema Tagebau finde ich es nicht schlimm, wenn im Westen eher über das Ruhrgebiet und im Osten über die Lausitz gesprochen wird. Die Veränderungen betreffen ja auch die Menschen, die in den Regionen leben. Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass die Aufmerksamkeit für den ostdeutschen Teil des Landes seit Jahren stetig wächst. Zum einen natürlich wegen des rasanten Aufstiegs der AfD und der Rolle, die der Osten darin spielt. Zum anderen, weil inzwischen viele tolle Autor*innen in der Medienlandschaft aktiv sind, die entweder selbst aus dem Osten kommen oder die Trennung zwischen Ost und West nicht so stark verinnerlicht haben.
Die größte Herausforderung während der Arbeit im politisch stark aufgeladenen Umfeld finde ich, immer auch im Blick zu haben, welche Bilder dir von den politischen Akteuren angeboten werden und welche Botschaften sie damit senden wollen. Unsere visuelle, dokumentarische Arbeit von politischen Ereignissen wird von den Akteuren auch konzeptionell als Transportmittel für ihre Botschaften genutzt. Die in der Realität dann immer wieder zu erkennen und einordnen zu können, erfordert, dass wir uns im Vorfeld gründlich mit den Themen beschäftigen.
Wenn ich meinen Kalender von 2024/25 überfliege, komme ich auf knapp 40 Termine, die sich irgendwie mit der AfD oder der extremen Rechten beschäftigen. Mit zwei Landtagswahlen in ostdeutschen Bundesländern und der vorgezogenen Bundestagswahl war das aber auch eine sehr intensive Zeit für dieses Thema. Ich habe mich im Rahmen eines Langzeitprojektes mit der immer aggressiveren und immer wieder grenzüberschreitenden Propaganda der AfD und deren Wirkung in unsere Gesellschaft hinein beschäftigt.
Bei meinen freien Projekten kommt das eher selten vor. Bei manchen Aufträgen merkt man aber, dass ihnen ein klischeebehaftetes Bild vom Osten zugrunde liegt. Früher hat mich das geärgert. Heute kommt es zum einen nicht mehr so oft vor, und wenn doch, schaffe ich es ganz gut, mich davon nicht beeinflussen zu lassen.
Es gibt viele Aufträge, an die ich mich gern erinnere. Ein Highlight aus diesem Jahr war eine Recherche in Kenia. Darin ging es um einen Landkonflikt zwischen den Nachfahren der Kolonialisten und den Locals. Neben einem in Kenia lebenden, deutschen Journalisten und mir, hat ein junger kenianischer Musiker mit an der Geschichte gearbeitet. Er hat uns die ganze Zeit begleitet, seine Gedanken zur Recherche mit uns geteilt und am Ende einen Song dazu produziert, der dann auch hier in Deutschland zum Artikel veröffentlicht wurde. Eine lokale Perspektive mit in die Entstehung der Geschichte einzubinden, habe ich als sehr bereichernd empfunden.
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