Neu bei laif: Julia Steinigeweg

Interview
Natürliche Frauenporträtaufnahme in dunkler Umgebung, Mode und Schönheit, professionelle Fotografie, leicht unscharfer Hintergrund.
Fotograf:in
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Wir freuen uns, Julia Steinigeweg als neue laif-Fotografin vorstellen zu können. Sie studierte Kommunikationsdesign an der HAW Hamburg sowie Germanistik, Pädagogik und Kunst an der Universität Hamburg und der HfbK Hamburg.

Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Berlin und arbeitet für renommierte Magazine und Zeitungen wie Der Spiegel, Monopol und Die Zeit. In den ersten Lebensjahren ihrer Kinder begleiteten diese sie zu Fototerminen und begegneten dabei unter anderem Spitzenpolitiker:innen, Künstler:innen und Wissenschaftler:innen.

 
Vor kurzem stand zum ersten Mal eine Bundestagsabgeordnete, Emilia Fester Steinmüller, mit ihrem Baby am Redepult. Es war ein Moment, der vielfach in den Medien geteilt wurde. Was hast du gedacht, als du diese Szene gesehen hast?
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Hochzeitsfotograf beim Fotoshooting in stilvollem Atelier, professionelle Hochzeitsfotografie, kreative Fotoshootings, besondere Arrangements.
Kleinkind umarmt schwangere Frau in moderner, heller Architektur.

Ich habe mich für sie gefreut. Sie befand sich in einer Situation, in der ihr buchstäblich die Zeit davonrennt. Gepaart mit der Unberechenbarkeit eines Babys muss ihr nach Ende der Redezeit ein Stein vom Herzen gefallen sein.

Gleichzeitig habe ich später die Kommentare bei Social Media gesehen und wieder einmal gemerkt, dass man es am Ende als Mutter niemandem recht machen kann. Für mich persönlich hat Hanna Steinmüller wertvolle Pionierarbeit geleistet, und wer mag, kann sie sich zum Vorbild nehmen. Wer sich dadurch unter Druck gesetzt fühlt, darf sich trotzdem für sie freuen. Das ist für mich gelebte Solidarität unter Frauen.

Sieht man es positiv, könnte man Babys daher als Empowerment-Werkzeuge bezeichnen. Sie bringen eine Zäsur in berufliche Situationen. Keiner weiß so recht, wie damit umzugehen ist. Sie sind ein lustiger, niedlicher, nerviger und skurriler Elefant im Raum. Das kann Stress aufbauen, aber auch Gelassenheit auf allen Seiten erzwingen und Spannungen radikal auflösen. Meine Kinder haben mein gesamtes Leben relativiert und damit eben auch den Stress vor Porträtterminen mit vermeintlich schwierigen Personen. Ich hatte ja immer den absurdesten Menschen dabei. Ein Baby entwaffnet jede Diva, jeden Exoten, und Menschen mit zu wenig Zeit habe ich nie leichter eine Extraminute aus den Rippen leiern können.

Moderne Konferenzraum mit Blick auf historische Architektur im Berlin, flexibel nutzbarer Tagungsraum.
 
Was können Unternehmen oder Redaktionen deiner Erfahrung nach tun, um Elternschaft in der Branche besser zu ermöglichen?

Um Eltern zu unterstützen, müssen die Redaktionen vorangehen. Sie sollten mit Selbstverständnis gegenüber den Protagonist:innen klären, dass ein Baby oder Kind mitkommt. Kinder am Set verunsichern alle. Irgendeine beteiligte Person muss beginnen, sich das Kind am Set zu wünschen, nicht nur zu dulden. Nur so entsteht die Sicherheit und Ruhe, die nicht nur die Eltern, sondern auch das Baby braucht, um im richtigen Moment – wie sagt man so schön – zu funktionieren.

Natürlich ist eine Betreuung des Kindes unumgänglich. Das können bezahlte Assistent:innen, Partner:innen oder aber auch Redakteur:innen sein.
Insbesondere die SPIEGEL-Redakteur:innen haben mir oft freudig das Kind abgenommen und sich rührend gekümmert, während ich fotografierte. Ich habe ausnahmslos gute Erfahrungen gemacht, weil sich im Team alle aufkommenden Probleme lösen ließen.

 
Hat sich deine Arbeitsweise durch die Elternschaft verändert? Etwa im Umgang mit Stress, Effizienz oder Prioritäten?

Die redaktionellen Aufträge sind auch ohne Kind bereits stressig und zwingen mich, maximal zeitsparend zu denken. Manchmal fühlt sich das an, als würde man beim Fotografieren die Luft anhalten müssen. Meistens lag das an den Protagonist:innen, die oft nur wenig Zeit mitbrachten. Seitdem ich Kinder habe und sie als Baby mit zum Termin nehme, geht es mir jedoch genau so. Ich habe also nichts gegen kurze Aufträge, weil das gesamte Team auf beiden Seiten den Termin so fest wie möglich zurrt.

Auf einmal ist da ein weiterer Protagonist – noch dazu unberechenbar. So müssen zwangsweise alle an einem Strick ziehen. Einem Baby zuliebe tun das die meisten Personen jedoch gerne, und so entsteht ein grundsätzlich wohlwollendes Verhältnis von Beginn an.

Hochwertige Frau auf Dachgarten mit Blick auf Berlin, TV-Turm und Stadtidylle.
Nachdenklicher Mann sitzt auf roter Stuhl, kreative Portraitaufnahme, schwarzer Hintergrund.
Fotografien im Retro-Stil mit Frau in Polka-Dot-Bluse auf grüner Couch, stilvolle Inneneinrichtung, Fashion, Mode, angesagte Wohnzimmerdekoration, Laif, stilvolles Wohnzimmer.
 
Besonders deine Portraits strahlen eine große Ruhe und Gelassenheit aus. Wie erklärst du dir das?

Ob im Schulunterricht, am Kinderschreibtisch mit Buntstiften oder beim Blättern durch die Kunstmagazine meines Vaters – Ich habe schon früh gemerkt, dass mich nichts so sehr entspannt, wie eine ausgiebige Bildbetrachtung. Ich bin ungeduldig und mache immer mehrere Dinge gleichzeitig. Beim Fotografieren fokussiere ich mich und kann selbst entspannen. Vielleicht hilft das meinen Portraits.

Im Studium habe ich mich zum ersten Mal mit den klassischen Portraitfotograf:innen beschäftigt. Mein Professor Vincent Kohlbecher an der HAW hat mir gezeigt, dass der Mensch bei sich selbst ankommen muss, damit der Betrachtende des Bildes in direkten Kontakt zur abgebildeten Person kommen kann. Dazu muss die Fotograf:in unsichtbar werden und sich zurückziehen.

Zwischendurch habe ich das Gefühl, dass mich meine Portraits langweilen, weil so wenig passiert. Dann gefällt es mir wieder, weil es mich an diese Momente der Kontemplation erinnert. Vielleicht kann ich da einfach nicht aus meiner Haut, aber mich würde das Experiment reizen, auch mal andere Wege zu gehen, mehr Bewegung und Individualität seitens der abgebildeten Person in meine Bilder zu bringen. Allerdings nicht Dynamik um ihrer selbst Willen, sondern nur bei den passenden Protagonist:innen.

Kinderwagen mit Baby vor moderner dunkler Wand, urbanes Kindertransport-Design, stilvolle Baby-Buggy, modernes Kinderautostyling.
Eleganter Geschäftsmann in dunklem Anzug vor modernen schwarzen Wänden.
Moderner Innenarchitektur-Design mit eleganter Galerie, schwarze Kleidung, künstlerische Atmosphäre.
 
Gibt es einen Portraitauftrag, an den du dich besonders gern erinnerst?

Es gibt Portraitaufträge, die ein tolles Erlebnis waren und wiederum andere, die ein gutes Ergebnis gebracht haben. Ein gutes Erlebnis war der Fototermin für das Greenpeace Magazin, bei dem ich die damalige Kultusministerin Claudia Roth und die Klimaaktivistin Pauline Brünger fotografierte.

Wir waren wie immer eine Stunde früher vor Ort und ich versorgte nach Ankunft im Jakob-Kaiser-Haus zuerst unser Kind bis es einschlief. Mein Mann war mitgekommen, um sich um unsere Tochter zu kümmern, falls sie aufwacht. Die Redakteur:innen überzogen das Interview, das sie mit Claudia Roth, der Klima-Aktivistin Pauline Brünger und der Umweltaktivistin Jennifer Morgan führten. Mein Mann schrieb mir, dass das Baby wach ist und weint, noch bevor ich anfangen konnte zu fotografieren. Portraits werden oft am Ende des Interviews fotografiert. Selbst auf Nachdruck der Assistentin von Frau Roth beendeten die Redakteur:innen ihr Gespräch nicht und so hatte ich am Ende nur eine schnelle Minute Zeit für das Bild.

Aus dem Interviewraum heraus hörte ich bereits mein weinendes Kind vor der Tür. Es muss schon lange gewartet haben. Das Interview wurde beendet, die Redakteur:innen verließen den Raum und Frau Roth strahlte mein weinendes Kind an, das auf dem Arm meines Mannes hereingetragen wurde. „Oh Engelchen!“ rief sie ihm zu. Meine Tochter hörte auf zu weinen und ich fotografierte Frau Roth, während ich meine Tochter auf dem Arm hielt. Mein Mann war so geistesgegenwärtig, den Moment festzuhalten. Das Bild wurde später vom Greenpeace-Magazin im Artikel abgedruckt.

Ein besonderes Ergebnis hat meiner Meinung nach das Portrait für die Wirtschaftswoche mit dem damaligen Vizekanzler Robert Habeck ergeben. Es ist ein einfaches Portrait bei Tageslicht. Ich habe den Ort noch spontan in meinen kurzen Foto-Parkour mit aufgenommen, weil mir das besondere Licht auffiel. Habeck war schon ungeduldig, Politiker:innen haben immer wenig Zeit, aber ich beschloss, noch einmal tief durchzuatmen und die zeitliche Spannung auszuhalten. Manchmal gibt es dann diesen Moment, in der die fotografierte Person dann auch kurz innehält, runterfährt und dann entsteht ein gutes Ergebnis. Dies geschieht aber nur in Zusammenarbeit, niemals losgelöst voneinander.

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