Neu bei laif: Paolo Dutto

Interview
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Wir freuen uns, Paolo Dutto als neuen laif-Fotografen vorstellen zu können. Der in Italien geborene Fotograf lebt seit über zwanzig Jahren in der Schweiz und arbeitet von seinem Zuhause in Zürich aus überwiegend on location in ganz Europa.

Eine besondere Stärke seiner Arbeit ist die Porträtierung von führenden Persönlichkeiten, VIPs und hochrangigen Entscheidungsträger:innen. Zu seinen Editorial-Kunden zählen unter anderem Bilanz, Die Weltwoche, Handelszeitung und NZZ am Sonntag.

 
Paolo, was macht ein gutes CEO-Porträt aus?
Portrait eines Mannes mit Modelflugzeug.
Innovativer Geschäftsmann in modernem Büro mit stilvollem Design, fokussiert auf Leadership und Erfolg.
1. Käse in einer Kühlhalle, breite Regale, weibliche Kundin, hochwertige Käsevielfalt.

 

Ein gutes CEO-Porträt muss vor allem ästhetisch sein. Stimmung, Kontrast und eine durchdachte Lichtgestaltung spielen dabei eine entscheidende Rolle. Das Bild sollte einen selbstbewussten Menschen zeigen, gleichzeitig aber auch Freundlichkeit und Zugänglichkeit vermitteln. Niemand arbeitet gern mit jemandem zusammen, der arrogant wirkt. Selbstbewusstsein hingegen ist essenziell.

Führungspersönlichkeiten, die große Unternehmen leiten, sollten so dargestellt werden, dass sie Kompetenz, Klarheit und Sicherheit ausstrahlen. Das Porträt muss transportieren, dass diese Person weiß, was sie tut. Jedoch darf das Shooting nicht zu statisch sein. Dynamik und Lebendigkeit sind wichtig, damit das Bild nicht austauschbar oder langweilig wirkt.

 
Das klingt nach einem Balanceakt. Wie gelingt es, all das im Porträt zu zeigen?

Während des Fotografierens bin ich immer im Austausch mit den Menschen. Es darf auf keinen Fall der Gedanke entstehen: „Oh Gott, wie lange muss ich noch bleiben? Wann ist es endlich vorbei?“

Es gibt sogar Kurse für Top-CEOs zum richtigen Posieren. Wer so einen Kurs besucht hat, kommt meistens ins Zimmer und stützt ganz selbstverständlich die Ellenbogen auf den Tisch. So können wir das Shooting starten, wenn es sich für die Person sicher und gut anfühlt. Aber irgendwann muss ich diese Pose aufbrechen. Sonst wird es langweilig.

In meinen Gesprächen mit den Geschäftsführern gibt es oft diesen einen kurzen Moment, in dem mein Gegenüber ganz spontan lacht. Vielleicht beim Richten der Krawatte oder in dem Augenblick, in dem die Kamera kurz vergessen wird und der Fokus ganz auf dem Gespräch liegt. Genau diese Sekunden sind fotografisch besonders spannend und werden häufig auch publiziert. In solchen Bildern spürt man die Menschlichkeit. Sie zeigen: Das hier ist eine Person und keine Rolle.

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Als Fotograf:in muss man also nicht nur technisch versiert sein, sondern auch als Gesprächspartner:in überzeugen?

Ja, die Technik beherrschen ist sehr wichtig, aber ich fotografiere kein Stillife, sondern Menschen. Entscheidend ist deshalb auch schnell eine Beziehung aufbauen zu können, selbst wenn sie nur oberflächlich ist. Mir hilft dabei, dass ich fünf Sprachen spreche: Deutsch, Italienisch, Französisch, Englisch und Spanisch.

Mindestens genauso wichtig ist es für mich auch, als Fotograf Sicherheit auszustrahlen. Die Leute müssen sehen, dass ich genau weiß, was ich tue. Erst dann entsteht volles Vertrauen und die wirklich guten Bilder.

Das gilt nicht nur für die fotografierte Person, sondern für das gesamte Team: Assistenten, Make-up-Artists und alle anderen Beteiligten. Man muss das Zusammenspiel aller gleichzeitig balancieren, denn nur gemeinsam kann ein Fotoshooting wirklich funktionieren.

 
Gibt es wesentliche Unterschiede zwischen Corporate- und Editorial-Aufträgen?

Jedes Unternehmen hat seine eigene visuelle Sprache, deshalb muss man sich bei Corporate-Aufträgen stärker an vorgegebene Rahmenbedingungen anpassen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, dass meine eigene Handschrift erkennbar bleibt. Ich arbeite also in meinem Stil – dafür werde ich schließlich gebucht –, folge aber zugleich den inhaltlichen und ästhetischen Vorgaben des Marketings.

Bei Editorial-Aufträgen ist die fotografische Freiheit deutlich größer. In den Briefings von Bildredaktionen steht oft nur: „Mach etwas Schönes, mach etwas Cooles.“ Das schätze ich sehr, weil ich spontaner arbeiten kann und es weniger Vorbereitung braucht.

Wenn es ein sonniger Tag ist und die Location passt, fotografieren wir draußen. Wenn es regnet, dann lieber indoor. Diese Freiheit, situativ zu entscheiden und von Minute zu Minute zu arbeiten, empfinde ich als sehr inspirierend.

Stilvoller businessmann in dunklem anzug mit brille vor blauem hintergrund.
Anspruchsvoller Business-Mann vor moderner Glasfassade in urbaner Architektur.
 
Gibt es Pressevertreter, die darauf achten, wie und was du fotografierst?

Ja, die gibt es. Manchmal sind es Menschen aus dem Marketing, in einem Fall waren es sogar zwei Anwälte. Sie achten sehr genau darauf, was ich fotografiere und wie diese Bilder später interpretiert werden könnten.

Gerade bei wichtigen Personen wie Politiker:innen sind oft so viele Begleitpersonen dabei, dass sie schnell selbst mit im Bild stehen. Vor allem dann, wenn ich in Bewegung fotografiere, etwa von A nach B laufe, passiert das schnell. Man ist eigentlich nur sehr, sehr selten wirklich allein mit der Person, die man fotografieren soll.

 
Wichtige Menschen haben meist wenig Zeit. Wie gehst du damit um?

Es gibt CEOs, die genau verstehen, wie wichtig eine gute Publikation für sie ist und wie entscheidend die Fotos dabei sind. Diese Menschen geben sich Mühe und nehmen sich bewusst Zeit, teilweise sogar eine halbe Stunde für eine Cover-Story. Es gibt aber auch Menschen, die einfach keine Zeit haben.

Ich habe in meiner Arbeit wirklich alle Extreme erlebt. Der Chef von Hugo Boss zum Beispiel hat sich 45 Minuten Zeit genommen. Wir sind gemeinsam durch die Fabrik gelaufen und konnten ganz unterschiedliche Motive umsetzen. Er versteht, was Marketing bedeutet. Diese 45 Minuten waren für ihn nicht verschwendet, sondern gut angelegt: Er muss ja weder mich als Fotografen noch die Journalist:innen bezahlen, und dennoch wird über ihn und sein Unternehmen berichtet.

Das andere Extrem war Mike Pompeo, damals amerikanischer Secretary of State. Er hat mir genau zehn Sekunden gegeben. Das Ganze fand in der amerikanischen Botschaft in Bern statt, und allein der Zugang dort hinein ist schon mit großem Aufwand verbunden. Ich hatte mein Setup aufgebaut, dann kamen mehrere Mitarbeiter des Secret Service und schließlich Pompeo selbst. Er stellte sich kurz vor meine Lampe, ich habe neunmal ausgelöst, vier dieser Bilder waren gut. Danach wurde er vom Secret Service regelrecht hinausgeschoben.

In so einer Situation muss alles perfekt vorbereitet sein, sonst hat man keine Chance. Das ist enormer Stress. Manchmal wartet man zwei Stunden auf diese wenigen Sekunden. In dem Moment muss man hochkonzentriert sein, aber nicht nervös, und von einer Sekunde auf die andere funktionieren.

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Das klingt extrem herausfordernd. Warum machst du es dennoch?

Ich funktioniere einfach nicht besonders gut mit Langeweile. Sobald etwas zu „safe“ ist – allein dieses Wort gefällt mir schon nicht – verliere ich schnell den Reiz. Ich brauche immer eine Herausforderung, denn nur so kann ich mich als Fotograf weiterentwickeln und besser werden.

Ich habe in Zürich ein Studio, das ich bei Bedarf nutze, arbeite aber am liebsten on location. Ein Studio ist im Kern schon sehr „safe“, während mich die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort inspirieren. Ich mag es, mit dem zu arbeiten, was gerade da ist, und entscheide situativ, ob draußen oder drinnen fotografiert wird, unabhängig vom Wetter.

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