Ja, als ich vom Stern beauftragt wurde, die Folgen des Amoklaufs im Olympiazentrum in München zu fotografieren, war ich zunächst unsicher. Auf der Zugfahrt kamen mir Begriffe wie „Witwenschüttler“ oder „Paparazzi“ in den Kopf. Ich hatte schon häufig über das Leid von Hinterbliebenen berichtet, aber meistens an Orten, wo ich der einzige Reporter war. In Deutschland würde ich nur einer von dutzenden Fotografen sein und war besorgt, die trauernden Familien durch meine Anwesenheit unnötig zu belasten.
Vor Ort stellte sich dann heraus, dass bei dem Amoklauf überwiegend Jugendliche und Erwachsene mit Migrationshintergrund ums Leben gekommen waren. Für viele dieser Familien war es besonders wichtig, vom Rest der deutschen Gesellschaft wahrgenommen zu werden. Während einige Familien wie befürchtet keine Journalisten empfangen wollten, waren andere wiederum sehr dankbar, dass über ihr Schicksal berichtet wurde und sie ihre Trauer teilen konnten.
Je weniger über ein Thema berichtet wird, desto stärker spüre ich, am richtigen Ort zu sein. Besonders in schwer zugänglichen Regionen oder verschlossenen Gemeinschaften ist es wichtig, hinzufahren und die Geschichten der Betroffenen sichtbar zu machen.